Die Entstehungsgeschichte

So ging es los

Passen Sie auf, die Entstehungsgeschichte von MiJo-Popart ist eigentlich eine klassische „Aus der Not eine Tugend machen“-Nummer, wie man im Ruhrgebiet sagen würde, wenn einem beim Tapezieren die Raufaser ausgeht.
Es war ein Dienstag im März, einer dieser Tage, an denen das Wetter im Ruhrgebiet aussieht wie eine ungewaschene Betonmischmaschine. Michael Holtschulte – ein Mann, der normalerweise Cartoons vom Sensenmann zeichnet, als wäre der Gevatter Tod sein persönlicher Untermieter – saß in seinem Atelier in Essen. Und da saß auch Jona. Jona ist vier, Michaels Sohn und zu diesem Zeitpunkt der unfreiwillige Träger eines Gipsarms.

Beim Turnen ist es passiert. Einmal falsch abgeklatscht, Ellenbogen durch, Operation, Vollnarkose, das volle Programm, das ganze Elend. Ganz miese Kiste. Und jetzt? Sechs Wochen Kita-Verbot. 
Sechs Wochen, in denen ein Vierjähriger mit der Energie eines kleinen Kernkraftwerks in einer Wohnung festsitzt. Das ist für Eltern etwa so entspannend wie eine Wurzelbehandlung ohne Betäubung bei laufendem Presslufthammer.

Die Langeweile in Essen war so dick, dass man sie hätte in Scheiben schneiden und als Dämmmaterial verkaufen können. Jona griff zum Stift. Einhändig, weil links ja der Gips thronte wie ein Fremdkörper aus Kalk. Er zeichnete. Keine Häuser mit Schornsteinen, keine lila Kühe. Er zeichnete Wesen. Monster mit zackigen Armen, Wesen mit Zungen, die so lang waren, dass sie sich darin hätten verheddern können, Kreaturen mit Augen an Stellen, wo die Biologie eigentlich keine vorgesehen hat. Und Roboter – das ganze Programm der kindlichen Anarchie.

Michael sah sich das an. Er sah nicht nur das Gekritzel eines Kindes, das gerade versucht, den Vormittag zu überleben. Er sah das Skelett einer Idee. Er nahm sich eines dieser Wesen vor – wir nennen es mal den Prototyp des „Jona-Universums“ – und tat das, was er seit Jahrzehnten macht: Er machte es professionell.

Er fotografierte die Zeichnung, behielt Jonas wilden, anarchischen Strich bei (denn nichts ist langweiliger als ein glattgebügeltes Monster), und fing an, am Tablet Farbe hineinzupumpen. Er setzte Schatten, gab ihnen Tiefe, verpasste ihnen einen Hintergrund, der so knallte wie eine Tüte Brausepulver im Gesicht.

In diesem Moment passierte die Kernfusion. Michael und Jona. MiJo.
Der Name MiJo setzt sich – Sie ahnen es – aus Michael und Jona zusammen. Klingt auch ein bisschen wie das lateinamerikanische „Mijo“ für „mein Sohn“ oder „mein Schatz“. Zufall? Vielleicht. Schicksal? Bestimmt.

Es war keine „Kinderkunst“ mehr, die man mit einem mitleidigen Lächeln an den Kühlschrank pinnt, bis sie gelb wird. 
Es war Pop-Art. Es war die Verbindung aus der völlig ungefilterten Fantasie eines Kindes und dem handwerklichen Wahnsinn eines Profis. Das ist echte Kunst mit kindlichem Ursprung.
Jona gab die Anweisungen: „Papa, das muss grüner! Mehr Zacken! Da fehlt ein Auge!“ Michael war quasi der ausführende Arm eines vierjährigen Art-Directors.
Alles am Tablett oder mit Acryl auf Malpappe umgesetzt. Während andere Väter mit ihren Söhnen mühsam versuchen, ein Vogelhäuschen zu zimmern, das am Ende aussieht wie ein Unfall, machen die beiden Pop-Art.

Dann kam innovative Technik dazu. Robert Berg von Anker Innovations schneite rein und brachte einen Drucker mit, den eufyMake E1. Das Teil kann bis zu einem halben Zentimeter Höhe drucken. Plötzlich waren diese Monster nicht mehr flach. Man konnte sie anfühlen. Strukturen, 3D-Effekte – die Girafeline, Mister Sauerpups und Graf Knatterstock wurden plastisch. Gedruckt auf mit Acrylfarben vorbearbeitete Leinwände. Wahnsinn, was heute geht, ohne dass man sich die Finger einsaut.

Was als Strategie gegen den Lagerkoller begann, führte zu in einem Ausstellungsbuch, der ersten Ausstellung in einer Galerie in der Düsseldorfer Altstadt, Postkarten, weiteren Ausstellungen und einer Galreivertretung, die sogar auf die Schiffe der AIDA führte. Und einem echten Familien-Business, bei dem Mutter Denise das Ganze organisatorisch zusammenhält, damit der Laden nicht im kreativen Chaos versinkt.

Die Moral von der Geschichte? 
Wenn dir das Leben einen gebrochenen Arm serviert, dann mal mit der anderen Hand einfach ein Universum.